Brief vom 7. Februar 2019
Bezugnehmend auf die Pressemitteilungen, die nach der Pressekonferenz von Papst Franziskus auf dem
Rückflug der Vereinigten Arabischen Emirate veröffentlicht wurden, möchten wir einige Punkte klarstellen.
Der Vatikan hat darin eine Aussage des Papstes über Missbrauch von Ordensfrauen präzisiert: Mit seiner
Wortwahl von „sexueller Sklaverei“ als Grund für die Auflösung einer religiösen Frauengemeinschaft habe
Franziskus „‚Manipulation in Form von Machtmissbrauch“ gemeint, „der sich auch in sexuellem Missbrauch
zeigt“, heißt es in einer Erklärung der vatikanischen Pressestelle vom 6. Februar. (Quelle:
http://ilsismografo.blogspot.com/2019/02/vaticano-comunicazione-ai-giornalisti.html)
Des weiteren handelt es sich bei der von Papst Franziskus erwähnten Gemeinschaft um das von Papst
Benedikt XVI. im Jahr 2013 aufgelöste „Institut der Schwestern vom Hl. Johannes und vom Hl. Dominikus“.
(Quelle: https://www.kathpress.at/goto/meldung/1729299/vatikan-praezisiert-papstaussage-zu-missbrauchvon-
ordensfrauen).

Im Folgenden möchten wir noch folgende Punkte präzisieren:

Pater Thomas Joachim, Generalprior der Brüder vom Hl. Johannes, Schwester Paul-Marie,
Generalpriorin der kontemplativen Schwestern vom Hl. Johannes, Schwester Claire de Jésus,
Generalpriorin der apostolischen Schwestern vom Hl. Johannes verurteilen jegliche Situation von
sexuellem Missbrauch sowie von Machtmissbrauch und sie bekunden ihre feste Entschlossenheit, in
Geschlossenheit mit Papst Franziskus, sich gegen jede Form von Missbrauch einzusetzen. Zu aller erst
ist es ihnen ein Anliegen, diesen Frauen ihr tiefes Mitgefühl auszusprechen, welche Opfer eines
derartigen Missbrauchs geworden sind, und dies umso mehr, da diese mit Großmut ihr Leben in Gottes
Dienst gestellt haben.

Im Jahr 2013 legte der Generalprior der Brüder vom Hl. Johannes auf eigene Initiative hin offen,
dass der Ordensgründer der Brüder sowie der Schwestern vom Hl. Johannes, P. Marie-Dominique
Philippe, o.p., „an mehreren erwachsenen Frauen, die er geistlich begleitete, Handlungen verübt hat, die
dem Gelübde der Keuschheit widersprechen.“ Die Familie vom Hl. Johannes verurteilt die Fälle von
sexuellem Missbrauch und von Machtmissbrauch, die durch ihren Ordensgründer verübt worden sind.
Diese Übergriffe haben sich durch einander übereinstimmende Zeugenaussagen mehrerer weiblicher
Opfer als glaubhaft erwiesen. Unter diesen Opfern befinden sich auch Ordensschwestern.

Die Zeugenaussagen einiger Schwestern oder ehemaliger Schwestern verweisen darauf, dass ein
derartiger Missbrauch in der Vergangenheit auch durch Brüder und Priester der Gemeinschaft
begangen wurde. Sanktionen für diese Brüder wurden bereits verhängt bzw. die Verfahren sind noch
anhängig. Die Verantwortungsträger der Gemeinschaft der Brüder vom Hl. Johannes sind fest
entschlossen, dass jeder einzelne Fall von Missbrauch in Übereinstimmung mit den Richtlinien der
Katholischen Kirche und der zivilen Gesetzgebung abgehandelt wird.

Seit mehreren Jahren haben die Brüder viele Maßnahmen ergriffen, um derartigen Situationen,
die zum Missbrauch führen könnten vorzubeugen bzw. um schnell und effizient auf solche
Missbrauchsfälle zu reagieren. Zu diesen proaktiven Maßnahmen gehören unter anderem: eine bessere
Berufungsunterscheidung; als fester Bestandteil in der Ausbildung der Brüder wurden integriert:
Begleitung und Ausbildung zum Erwerb einer emotionalen Reife sowie der Umgang mit Fällen von
Pädophilie und sexuellem Missbrauch; die Einrichtung von Verfahrensabläufen (durch den Vatikan
bestätigt), welche eine volle Transparenz und Weitergabe der Informationen zu den zivilen Behörden
sowie die Schaffung einer Kommission beinhaltet. In dieser Kommission arbeiten professionelle Laien
mit, welche jede Zeugenaussage, Schuldgeständnis oder Missbrauchsbeschwerde untersuchen.

Aktuell befinden sich etwa 80 Schwestern bei den „Kontemplativen Schwestern vom Hl.
Johannes“. Diese haben sich zu jedem Zeitpunkt entschlossen, mit den in 2009 von den kirchlichen
Autoritäten getroffenen Entscheidungen zu kooperieren und die dort geforderten Reformen
umzusetzen, welche Fragen der Ordensleitung und des Machtmissbrauchs betrafen. Die
kontemplativen Schwestern vom Hl. Johannes wurden zu keinem Zeitpunkt aufgelöst. Die Schwestern,
die nicht mit den von Rom eingeforderten Reformen einverstanden waren haben die Gemeinschaft der
„Kontemplativen Schwestern vom Hl. Johannes“ verlassen und im Jahr 2014 unter dem Namen „Maria
Stella Matutina“ eine neue Gemeinschaft in Spanien gegründet. Dies geschah nach der durch Papst
Benedikt XVI. im Jahr 2013 erfolgten Auflösung des zunächst von diesen Schwestern gegründeten
„Instituts vom Hl. Johannes und vom Hl. Dominikus“. Ein Jahr später hat Papst Franziskus 4 ehemalige
mit der Leitung der Ordensgemeinschaft betraute Schwestern definitiv vom Ordensleben
ausgeschlossen. Diese hatten sich den Entscheidungen der kirchlichen Autoritäten widersetzt und die
Spaltung der Schwesterngemeinschaft forciert.

Seit mehreren Jahren haben sich sowohl die Brüder als auch die Schwestern dazu verpflichtet,
wiederherzustellen und zu korrigieren, was zu korrigieren ist. Diese Arbeit geschieht in vollständiger
Zusammenarbeit mit Rom und mit Hilfe von kompetenter externer Begleitung.
Die Brüder und Schwestern der Familie vom Hl. Johannes wollen erneut ihre Absicht bekräftigen,
sich jeder Person zu verpflichten, welche durch ein Mitglied der Ordensfamilie missbraucht wurde: Wir
sind bereit, sie anzuhören und gemäß den etablierten Normen zu handeln. Betroffene können sich
direkt an die durch die Brüder vom Hl. Johannes eingerichtete SOS-Missbrauchs-Kommission wenden
unter: sos.abus@stjean.com oder sich an folgende von der Französischen Bischofskonferenz
eingerichteten Adresse wenden: paroledevictimes@cef.fr .

Die Familie vom Hl. Johannes ist zuversichtlich, was die fortdauernden Bemühungen der Kirche
um Wahrheitsfindung anbelangt, und sie setzt alles daran, damit diese Orte des geweihten Lebens auch
ein geschützter Raum für alle Brüder, Schwestern und Gäste sind.


EINIGE CHRONOLOGISCHE ANHALTSPUNKTE von 2009 bis 2014
BEZÜGLICH DER KONTEMPLATIVEN SCHWESTERN VOM Hl. JOHANNES

  • 6. Juni 2009: in Übereinstimmung mit der Kongregation für die Institute des Geweihten Lebens verlangt Kardinal Philippe Barbarin (zuständiger Bischof für die Gemeinschaft der Kontemplativen Schwestern vom Hl. Johannes) von der Generalpriorin, Sr. Alix, von ihrem Amt
    zurückzutreten und er ernennt Sr. Johanna für 6 Jahre als neue Generalpriorin. Er bittet diese, einen neuen Generalrat zu ernennen. Diese Entscheidung erfolgte nach dem Bekanntwerden von Funktionsstörungen in der Leitung der Schwesterngemeinschaft sowie Fällen von
    Machtmissbrauch.
  • 7. Juni 2009: etwa 30 Schwestern unterzeichnen gemeinsam eine Erklärung, in der sie ihr Nicht-Einverständnis zu den getroffenen Entscheidungen bekanntgeben.
  • August 2009: in Folge der Nominierung einer neuen Novizenmeisterin durch Sr. Johanna verlassen mehr als 50 Novizinnen das Mutterhaus in St Jodard.
  • November 2009: in Folge des Ungehorsams gegenüber der neuen Generalpriorin wird Mgr. Jean Bonfils, emeritierter Bischof von Nizza, zum päpstlichen Legaten ernannt. Die vatikanischen Behörden verlangen von 4 ehemaligen in der Leitung befindlichen Schwestern, worunter sich Sr. Alix befindet, sich außerhalb der Gemeinschaft an voneinander getrennte Orte zu begeben und künftig keine Einflussnahme mehr auf die Schwestern auszuüben.
  • Februar 2011: Mgr. Henri Brincard, Bischof von Puy-en-Velay, wird zum neuen päpstlichen Legaten ernannt.
  • 29. Juni 2012: die Schwestern, die sich den Entscheidungen der Kirche widersetzt und welche die Gemeinschaft verlassen hatten, gründen in der Diözese Cordoba in Spanien das „Institut der Schwestern vom Hl. Johannes und vom Hl. Dominikus“.
  • Juli 2012: 70 Novizinnen verlassen die Kontemplativen Schwestern vom Hl. Johannes um diesem neu gegründeten Institut beizutreten.
  • Jänner 2013: Papst Benedikt XVI. löst das „Institut der Schwestern vom Hl. Johannes und vom Hl. Dominikus“ auf.
  • Mai 2013: Auf eigene Initiative hin legt der Generalprior der Brüder vom Hl. Johannes offen, dass der Ordensgründer der Brüder sowie der Schwestern vom Hl. Johannes, P. Marie-Dominique Philippe, o.p., „an mehreren erwachsenen Frauen, die er geistlich begleitete, Handlungen verübt hat, die dem Gelübde der Keuschheit widersprechen.“
  • 1. Juli 2014: Mgr. Brincard verfasst einen Brief, welcher auf die Entscheidungen verweist, die im Brief vom 26. April von Mgr. Becciu, dem päpstlichen Substitut, präzisiert wurden: Dieser besagt, dass es den Schwestern, welche die Gemeinschaft verlassen haben ermöglicht wird, sich als Vereinigung von Gläubigen zu konstituieren mit der Möglichkeit später ein Institut des Geweihten Lebens zu bilden. Zudem werden die 4 ehemaligen mit der Leitung der Ordensgemeinschaft betrauten Schwestern, darunter Sr. Alix, definitiv vom Ordensleben  ausgeschlossen.
  • August 2014: Entsprechend der durch Rom gegebenen Erlaubnis gründen Schwestern, welche die Gemeinschaft der Kontemplativen Schwestern vom Hl. Johannes verlassen haben, die neue Gemeinschaft „Maria Stella Matutina“, mit Hauptsitz in der Diözese San Sebastian in Spanien.
  • April 2015: Wahl von Sr. Paul-Marie Moulin zur Generalpriorin der Kontemplativen Schwestern vom Hl. Johannes.
  • Februar 2016: Tod von Sr. Alix in Spanien.

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